Was ist erektile Dysfunktion?
Erektile Dysfunktion, oft als ED abgekürzt, bedeutet, dass es schwerfällt, eine Erektion zu bekommen oder zu halten, die für den Geschlechtsverkehr ausreicht. Früher sprach man von Impotenz, in der Medizin wird dieses Wort heute aber selten verwendet.
Dass die Erektion hin und wieder ausbleibt, ist völlig normal und passiert den meisten, nach einer stressigen Phase, bei zu wenig Schlaf oder zu viel Alkohol. Von erektiler Dysfunktion spricht man erst, wenn die Beschwerden wiederkehren und über einen längeren Zeitraum anhalten.
Kurz gefasst: erektile Dysfunktion
- Häufig, und mit steigendem Alter noch häufiger.
- Hat oft mehrere Ursachen zugleich, körperliche wie psychische.
- Kann ein frühes Zeichen für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes sein.
- Lässt sich in den meisten Fällen behandeln.
Wie häufig ist sie?
Erektionsstörungen gehören zu den häufigsten sexuellen Beschwerden bei Männern. In der oft zitierten US-amerikanischen Bevölkerungsstudie Massachusetts Male Aging Study gab rund die Hälfte der Männer zwischen 40 und 70 Jahren Erektionsbeschwerden an, von leicht bis ausgeprägt. Die Beschwerden nehmen mit dem Alter zu, kommen aber auch bei jüngeren Männern vor.
Diese Zahl sagt vor allem eines: Wer Probleme mit der Erektion hat, ist damit alles andere als allein.
Häufige Ursachen
Für eine Erektion müssen Blutgefäße, Nerven, Hormone und Psyche zusammenspielen. Wird ein Teil dieser Kette gestört, kann das die Erektion beeinträchtigen. Oft gibt es mehr als eine Erklärung.
Körperliche Ursachen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Arterienverkalkung
- Diabetes
- Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte
- Niedrige Testosteronwerte
- Neurologische Erkrankungen oder Verletzungen
- Operationen oder Bestrahlung im Becken, zum Beispiel bei Prostatakrebs
Psychische Ursachen
- Stress und anhaltende Müdigkeit
- Sorgen, Angst oder Niedergeschlagenheit
- Leistungsdruck und die Angst zu „versagen“
- Schwierigkeiten in der Partnerschaft
Lebensstil und Medikamente
Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Übergewicht und zu wenig Bewegung erhöhen das Risiko. Auch manche Medikamente, unter anderem einige Blutdruckmittel und Antidepressiva, können die Erektion beeinflussen. Setze ein Medikament niemals eigenmächtig ab; sprich deine Ärztin oder deinen Arzt darauf an.
Wann solltest du ärztliche Hilfe suchen?
Wende dich an eine Arztpraxis, wenn die Beschwerden seit einigen Monaten immer wieder auftreten, oder früher, wenn sie dich beunruhigen. Weil die Gefäße im Penis klein sind, können sich Erektionsstörungen zeigen, bevor andere Anzeichen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung auffallen. Bei einer Untersuchung geht es deshalb nicht nur um das Sexualleben.
Sofort ärztliche Hilfe suchen, wenn
- eine Erektion länger als vier Stunden anhält
- bei Anstrengung oder beim Geschlechtsverkehr Brustschmerzen auftreten
- die Erektionsstörungen plötzlich zusammen mit anderen neuen Symptomen aufgetreten sind.
Rufe 116 117 für eine Beratung an, bei akuten Beschwerden 112.
Was kannst du selbst tun?
Was dem Herzen guttut, tut in der Regel auch der Erektion gut. Die Veränderungen wirken selten über Nacht, machen auf Dauer aber einen Unterschied.
- Bewege dich regelmäßig, Ausdauersport verbessert die Gefäßfunktion.
- Hör mit dem Rauchen auf. Rauchen schädigt die Blutgefäße.
- Trink weniger Alkohol.
- Achte auf Schlaf und Erholung.
- Sprich mit deiner Partnerin oder deinem Partner. Schweigen erhöht den Druck oft noch.
Behandlung
Welche Behandlung infrage kommt, hängt von der Ursache ab, und das wird ärztlich beurteilt. Oft werden mehrere Maßnahmen kombiniert.
Gespräche und sexualtherapeutische Beratung
Wenn Sorgen, Leistungsdruck oder die Partnerschaft eine Rolle spielen, kann eine Gesprächsbegleitung, allein oder gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner, der wichtigste Teil der Behandlung sein.
Medikamente
Die häufigste Wirkstoffgruppe sind die PDE-5-Hemmer, zu denen unter anderem Sildenafil und Tadalafil gehören. Sie erleichtern bei sexueller Stimulation den Blutfluss in den Penis, erzeugen aber keine Lust und beheben die zugrunde liegende Ursache nicht. Die Medikamente sind nicht für jeden geeignet und dürfen zum Beispiel nicht mit Nitraten kombiniert werden. Vor der Behandlung muss deshalb eine medizinische Beurteilung stehen.
Weitere Möglichkeiten
Daneben gibt es Hilfsmittel wie Vakuumpumpe und Penisring sowie Medikamente, die örtlich angewendet werden. Deine Ärztin, dein Arzt oder eine sexualmedizinische Fachkraft kann dir sagen, was es gibt.
Sicherheit
Alle Medikamente können Nebenwirkungen haben. Auf der Seite Sicherheitshinweise haben wir das Wichtigste zusammengestellt: welche Nebenwirkungen auftreten, wer Potenzmittel nicht anwenden sollte und wann man ärztliche Hilfe suchen sollte. Lies vor der Anwendung immer die Packungsbeilage.
Quellen
- 1177 Vårdguiden: Erektionsstörungen
- FASS: Produktinformation zu Sildenafil und Tadalafil
- Läkemedelsverket
- Feldman HA u. a. Impotence and its medical and psychosocial correlates: results of the Massachusetts Male Aging Study. Journal of Urology, 1994.
